Klimakrise bleibt, Nachhaltigkeits­anforderungen sinken – eine kluge Entscheidung für langfristigen Erfolg?

Man könnte meinen, dass es nahezu grotesk ist, wenn gerade dann, wo ein Rinnsal namens Rhein die Republik erkennen lässt, dass die Klimakrise uns erreicht hat, die Anforderungen an Unternehmen, nachhaltig zu agieren, zurückgenommen werden. Sich diesen gelockerten Anforderungen nicht zu ergeben, kann eine Chance sein:

Der Unternehmer, der jetzt die richtigen Entscheidungen trifft, kann sich vom Wettbewerb differenzieren. Während viele Unternehmen die neuen Regelungen als Chance sehen, Kosten zu sparen, sollten vorausschauende Unternehmer die Situation nutzen, sich cleverer zu verhalten als der Durchschnitt.

Nachhaltigkeit als Orientierungsrahmen

Und während der Großteil der Unternehmen zur Tagesordnung übergeht, steht die Tür offen, mehr für die eigene Zukunftsfähigkeit zu tun als die anderen. Ich möchte den Nachhaltigkeitsgedanken nicht als eine Handlungsoption verstehen, sondern als einen Orientierungsrahmen, wie ihn schon Erhard in anderem Kontext genutzt hat.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen rechtlichen Anforderungen und unternehmerischer Orientierung. Wenn der Gesetzgeber Nachhaltigkeitsanforderungen zurücknimmt, verändert er den Ordnungsrahmen, in dem Unternehmen handeln. Er nimmt ihnen damit aber nicht die Aufgabe ab, selbst zu entscheiden, was für ihre langfristige Zukunftsfähigkeit notwendig ist. Weniger Regulierung bedeutet schließlich nicht, dass ökologische, soziale oder ökonomische Herausforderungen verschwinden.

Die drei Perspektiven der Nachhaltigkeit – ökonomisch, ökologisch und sozial – lassen sich dabei nicht voneinander trennen. Sie beeinflussen sich gegenseitig. Am unteren Ende der ökonomischen Perspektive steht schlicht „to stay in business“, wie es ein englischer Freund einmal treffend formuliert hat: im Geschäft zu bleiben.

Doch wer darin bereits sein Zukunftsziel sieht, hat wenig Spielraum. Es gilt das darwinsche Prinzip: Unter schwierigen Bedingungen trifft es die Schwächsten zuerst. Unternehmer suchen deshalb nicht nur nach Wegen, um zu bestehen, sondern nach Wegen zum langfristigen Erfolg.

Unternehmerische Eigenverantwortung als Chance

Die Trittsteine auf diesem Weg haben heute immer drei Koordinaten: eine ökonomische, eine ökologische und eine soziale. Keine davon ist Selbstzweck. Der rechtliche Rahmen gibt dabei vor, was mindestens zu tun ist. Unternehmerische Zukunftsfähigkeit entsteht aber dort, wo Unternehmen selbst entscheiden, was darüber hinaus für ihren dauerhaften Erfolg notwendig ist.

Wenn wir bei den Preisträgern des Ludwig-Erhard-Preises fragen, warum man so engagiert an der Struktur und Ausrichtung der eigenen Organisation arbeitet, hört man oft, dass man einem klaren Bild folgt, wie eine Zukunft aussieht, die einen dauerhaften Erfolg der Organisation unterstützt.

Eine wichtige Erkenntnis daraus ist, dass sich viele Voraussetzungen für diesen Erfolg erst über Jahre entwickeln. Die Wirkungen in den drei Perspektiven der Nachhaltigkeit sind kumulativ: Sie bauen aufeinander auf und lassen sich nicht ad hoc erreichen. Wer erst an seiner Arbeitgeberattraktivität arbeitet, wenn die Folgen des demografischen Wandels spürbar werden, hat wertvolle Zeit verloren. Ebenso wenig kann die Umweltleistung eines Unternehmens von heute auf morgen auf ein optimales Niveau gebracht werden.

Ich denke an die vorbildliche Wasserstoff-Strategie unseres Preisträgers BMW Group Werk Leipzig. Von der Initiative, mit Wasserstoff zu arbeiten, bis zur Fertigstellung des Wasserstoff-Netzwerks in der Region vergehen Jahre. Wer sich nicht früh genug engagiert, für den schließen sich Türen zu Möglichkeiten wieder.

Nachhaltigkeitsperspektive rational betrachten

Daher ist eine zukunftsorientierte Ausrichtung maßgeblich, wenn man sein Verständnis von Nachhaltigkeit in erlebbaren Erfolg ummünzen möchte.

Viele der klassischen Nachhaltigkeitsansätze sind für kleinere Unternehmen sehr aufwendig. Daher kann für ein KMU das Excellence Framework Europe eine Handlungsoption sein, um die Reife des eigenen Unternehmens entlang der Perspektiven der Nachhaltigkeit über eine einfache fünfgliedrige Reifegradmatrix zu erfassen.

Das Excellence Framework Europe steht Ihnen HIER kostenfrei zum Download zur Verfügung. Wenn Sie Fragen zur Anwendung haben, kontaktieren Sie uns gerne per E-Mail unter kontakt@excellence-framework.eu.

Herzliche Grüße,

Ihr André Moll

Experte und Autor

Dr. André Moll
geschäftsführendes Vorstandsmitglied

Initiative Ludwig-Erhard-Preis e.V.

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